Zur Geschichte unseres Dorfes

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Zur Geschichte unseres Dorfes 2018-04-17T12:20:22+00:00

Aus der Geschichte unseres Dorfes

(Auszug aus der Festschrift der 800 Jahr Feier von 1967)

Bei den Jahrhundertfeiern unserer Städte und Dörfer ist es Brauch geworden, den lebenden Generationen einen Einblick in die geschichtliche Vergangenheit der Gemeinde zu geben. Für Oberkalbach ist dieses Vorhaben nicht ganz einfach, weil die alten Chroniken, die Aufschluss über Vergangenes geben könnten, nicht mehr vorhanden sind. Sie sind, wie so viele wertvolle Dinge, dem Moloch Krieg zum Opfer gefallen.

Dennoch soll versucht werden, dem interessierten Leser in einer kurzen Darstellung die wichtigsten Ereignisse aufzuzeichnen, um zu zeigen, dass auch ein kleines Dorf seine Geschichte hat, die mit der Weltgeschichte eng verknüpft ist. Zum erstenmal urkundlich erwähnt wird Oberkalbach im Jahre 1167. Es ist die Zeit, in der Kaiser Friedrich, Barbarossa, bei seinem vierten Italienzug gegen den Papst eine schwere Niederlage erleidet.

Das Kloster Schlüchtern stand damals unter der Schutzherrschaft des Bischofs Herold von Würzburg. Dem Marquard von Grumbach, einem Freund Kaiser Rotbarts, wurde die erbliche Schutzhoheit über das Kloster von dem Bischof verliehen. Zu den Besitzungen des Klosters gehörte neben Bellings, Hohenzell, Oberzell, Gundhelm, Kressenbach, Wallroth, Breitenbach und Marjoß auch das Dorf Oberkalbach. Eine Kirche soll bereits damals hier gestanden haben. Der Name unseres Gemeinwesens lautete urkundlich auf Kalbaha. Über die nächsten 150 Jahre liegen keine besonderen Aufzeichnungen vor.

Vom 16. April 1316 erfahren wir dann, dass Ullrich II. von Hanau Burg und Gericht Brandenstein kauft, dem neben Elm und Gundhelm auch Oberkalbach zugehörte. Von dieser Zeit an spricht man vom „Hanauischen Gericht“. Nördlich von Oberkalbach gab es einst eine Siedlung „Bernhelms“, über die unsere Gemeinde Rechte ausübte. Seit 1545 ist sie nicht mehr vorhanden, also eine Wüstung. Die Neuzeit ist angebrochen, die Reformation hat stattgefunden. Petrus Lotichius, der spätere Abt des Klosters Schlüchtern, reist als Student nach Wittenberg zu Philipp Melanchthon, dem Freunde Martin Luthers.

Den protestantischen Priestern wird die Ehe und den Laien der Kelch beim Abendmahl gestattet. Gegen die Priesterehe und den Laienkelch verwahrt sich neben anderen Geistlichen unseres Heimatkreises ein Kaplan namens Valentinus Kolb zu Oberkalbach.

Unter den ersten geprüften evangelischen Pfarrern, die auf der Schule in Schlüchtern ihr Examen abgelegt haben, ist ein Hartmannus Gottfriedus, der Pfarrer in Oberkalbach ist. Dieser Hartmann Gottfried versorgte auch die Gemeinden Gundhelm, Hutten und Elm. Wenn man bedenkt, dass es damals die heute auch den Pfarrern zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel noch nicht gab, dann kann man über die Marschleistungen dieser Geistlichen nur staunen. Im Jahre 1587 wird, ausgelöst durch die Unruhen der Religionskriege, von den vier Ämtern der Obergrafschaft Hanau die Erfassung der wehrhaften Männer in einem Verzeichnis verfügt. Das Amt Brandenstein, dem Oberkalbach unter­steht, erfasst die Männer unserer Gemeinde:

36 Schützen (18 ohne Sturmhaube),

17 Federspießer (ebenfalls ohne Sturmhaube).

Bei einem Brand waren den Oeberkalbichern alle Harnische verbrannt. Viele waren in ihrem Harnisch so ungeschickt, dass sie ihn wieder ablegen mussten. Wir schreiben das Jahr 1596. Ein kaiserlicher Kammerrat reist das Kinzigtal hinab. In dieser Zeit ist das deutsche Reich ohne politische Bedeutung. Mittel­und Norddeutschland sind fast völlig protestantisch, West- und Süddeutschland durch die Gegenreformation vorwiegend katholisch.

In der Chronik des Kreises Schlüchtern wird zu diesem Jahr der Kreuzhof zu Oberkalbach erwähnt. Es kann angenommen werden, dass sich dieser Hof an der Stelle des heutigen Kreuzackers befand, der etwa 300 m außerhalb Oberkalbachs liegt. Aus dem Jahre 1634, also in der Zeit des 30jährigen Krieges, wird berichtet, dass Oberkalbach von den Kaiserlichen gebrandschatzt wurde. Das war nach der Schlacht bei Nördlingen, wo die kaiserlichen Horden mordend und sengend durch das Hanauer Land zogen. Das Pfarrhaus und ein großer Teil des Dorfes wurden ein Raub der Flammen. Aus dem Jahre 1658 wird von einem sehr strengen Winter berichtet, wo in Oberkalbach viel Vieh und auch Menschen erfroren sind. Weitere harte Winter waren in den Jahren 1696, 1725, 1740. Aus der Zeit zwischen 1730 und den folgenden Jahren wird erzählt, dass der damalige Pfarrer von Oberkalbach Joh. Daniel Richter scharf gegen die Katholiken predigte. Die Uttrichshäuser Katholiken rückten deshalb einmal bei Nacht mit Gewehren vor sein Pfarrhaus. Neu erbaut wurde das Pfarrhaus in Oberkalbach im Jahre 1737. Die neue Kirche entstand in den Jahren 1848 bis 1850.

Im Jahre 1811 wurden die Katholiken von Uttrichshausen von der Verpflichtung entbunden, ihre Kinder in Oberkalbach taufen zu lassen.

Genaue Zahlen über die Größe der Einwohnerschaft der Gemeinde sind erst ab 1835, teilweise nur sehr lückenhaft, bekannt. Die höchste Einwohnerzahl hatte Oberkalbach danach im Jahre 1885, nämlich 808. Im Jahre 1917 waren es nur noch 618, und heute nicht ganz 600. Über die Verluste im deutsch-französischen Krieg 1870/71 sind keine genauen Zahlen bekannt. Das Absinken der Bevölkerungsziffern ab 1885 lässt sich mit der Abwanderung vieler Familien nach Westfalen und in das Ruhrgebiet erklären. In den ersten Jahren unseres Jahrhunderts übersiedelten einige Familien in das Gebiet von Hanau und Frankfurt am Main, weil sich in Oberkalbach kaum Erwerbsmöglichkeiten boten.

In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg ist durch den wirtschaftlichen Aufschwung auch in unserer Gemeinde ein allgemeiner Wohlstand eingetreten, so dass es eine echte Armut nicht mehr gibt. Das von Jahr zu Jahr sich verschönernde Dorfbild mit seinen Menschen beweist, dass die Gemeinde Oberkalbach aufgeschlossen ist für gesunden Fortschritt sowie für den Anschluss an die Errungenschaften der Zivilisation, der Technik und der Kultur.